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10.07.2013: Fachgutachten zu Windenergienutzungspotential in Wilnsdorf werden Ausschuss vorgestellt

Die Gemeinde Wilnsdorf ist einen großen Schritt weiter in der Frage, wie das Windkraftpotential der Kommune ausgeschöpft werden könnte. Drei mögliche Konzentrationsbereiche für neue Windenergieanlagen ließ die Verwaltung von Fachgutachtern untersuchen, die Ergebnisse wurden am 10. Juli 2013 dem Bau- und Umweltausschuss präsentiert.

Fazit der Sachverständigen: Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist die Planung von maximal neun weiteren Windkraftanlagen möglich, je drei in den Suchbereichen Hohe Roth/Haferhain/Schürscheid (Flammersbach/Anzhausen), Tiefenrother Höhe/Gernsbacher Höhe (Wilgersdorf/Rudersdorf/Gernsdorf) sowie der Erweiterung der bereits bestehenden Windkraftkonzentrationszone Kalteiche (Wilnsdorf/Wilgersdorf).

Transparente Planungsdokumentation

Zur Ausschusssitzung am 10. Juli 2013 hatte die Verwaltung eine detaillierte Präsentation vorbereitet mit dem Anspruch, alle bisherigen Schritte abzubilden und jene Kriterien zu dokumentieren, die zur vorgestellten Planungsoption führten. Entsprechend umfangreich fiel die Information aus, die Bauamtsleiter Martin Klöckner den Ausschussmitgliedern an die Hand gab. Doch bevor er mit seinem Vortrag begann, richtete Bürgermeisterin Christa Schuppler das Wort an die Kommunalpolitiker. „Die Planungsoption, die Ihnen heute vorgestellt wird, bedarf noch der Einordnung in ein Gesamtkonzept“, betonte sie. Die Gemeinde sähe sich dabei in der Verantwortung, öffentliche und private Interessen in einen angemessenen Ausgleich zu bringen.

Informationsveranstaltungen im September geplant

Dazu sollen in den nächsten Wochen Gespräche mit Investoren und Grundstückseigentümern geführt und eine umfangreiche Bürgerinformation initiiert werden. „Die heute präsentierten Unterlagen sind auf der Internetseite der Gemeinde Wilnsdorf einzusehen, außerdem werden wir die Bürger im September zu Informationsveranstaltungen einladen“, kündigte Bürgermeisterin Christa Schuppler mit der Ergänzung an, dass über entsprechende Termine in der kommenden Ratssitzung entschieden werde. Die Sitzung des Bauausschusses solle daher ausdrücklich nicht als Beschlussvorbereitung verstanden werden, sondern als Auftakt für Beratungen in den Fraktionen. Eine Entscheidung über das Gesamtkonzept könne voraussichtlich im Oktober getroffen werden.

Ergebnisse der Arten- und Immissionsschutzgutachten

Martin Klöckner stieg in den Fachvortrag mit der Erinnerung an eine Mitteilung aus dem Frühjahr 2013 ein. Damals kündigte die Verwaltung an, dass nach der Artenschutzprüfung 1 - eine Vorprüfung für eine spätere Flächennutzungsplanänderung - keine der drei Bereiche von weiteren Planungen ausgeschlossen sein. Allerdings, und dies bestätigte der Bauamtsleiter im Ausschuss, müssen für alle Suchbereiche Artenschutzprüfungen der Stufe 2 durchgeführt werden.

Die Immissionsschutzprüfung hingegen machte es notwendig, die Anzahl und Standorte möglicher Windräder gegenüber einer Voruntersuchung zu überprüfen und zu verändern. Dies berichtete Dipl.-Ing. Florian Fennel, Gutachter des beauftragten TÜV Rheinland. Nach zahlreichen Ortsbegehungen und detaillierten Modellkalkulationen, wie sich Lärm und Schattenwurf der Windräder auf die umliegenden Orte auswirken könnten, zeigte sich, dass die erlaubten Grenzwerte für reine Wohngebiete in mehreren Bereichen überschritten werden würden. Daher optimierte der TÜV die Planungen mit dem Ergebnis, dass nun theoretisch noch drei Anlagen pro Konzentrationszone möglich sind. Für den Suchbereich Hohe Roth/ Haferhain gelte dabei die Einschränkung, dass die Windräder nachts im schallreduzierten Betrieb laufen müssten.

Abwägung öffentlicher Belange vonnöten

Martin Klöckner wies darauf hin, dass bei der Ausweisung neuer Windkraftkonzentrationszonen jedoch nicht nur die so genannten harten Ausschlusskriterien wie Arten- oder Immissionsschutz zu beachten sind. „In einem vom Gesetzgeber geforderten Gesamtkonzept muss auch dokumentiert werden, in welcher Form öffentliche Belange wie Erholung, Tourismus oder Landschaftsästhetik gewichtet werden“, adressierte er an die Kommunalpolitiker. Diese Abwägung müsse in den nächsten Wochen vorgenommen werden. Außerdem wolle die Verwaltung Anregungen und Bedenken aus der Bevölkerung aufnehmen und der Beratung zuführen, sagte Klöckner mit Blick auf die geplanten Informationsveranstaltungen.

Aus den Reihen des Gremiums erhielt die Verwaltung den Anstoß, auch Möglichkeiten der regionalen Wertschöpfung zu suchen, die mit der Ausweisung neuer Konzentrationszonen verbunden wären. Die Verwaltung sollte alle Optionen nutzen, die ihre Planungshoheit bietet, so der Tenor der Ausschussmitglieder. Bürgermeisterin Christa Schuppler versprach, diese Fragen mit in die angedachten Gespräche mit Investoren und Grundstückseigentümer zu nehmen.

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