Wilnsdorfer "Waldschule" nimmt Gestalt an
Mit großer Mehrheit stimmte der Gemeinderat gestern dem Vorentwurf für die neue Grundschule Wilnsdorf zu. Die jetzt sehr konkreten Pläne erlaubten der Verwaltung auch erstmals eine vertiefte Kostenschätzung, die von den Ratsmitgliedern gleichermaßen abgesegnet wurde.
Rund 20 Mio. Euro – und damit ca. 8 Millionen mehr als 2019 vermutet – wird die Gemeinde Wilnsdorf in den Schulneubau investieren müssen. Für die Differenz gibt es drei Gründe. 2019 mussten die Kosten anhand des Gebäudevolumens einer „Standardschule“ geschätzt werden, Feinplanungen waren noch nicht ausgearbeitet. Seitdem sind die Baukosten um mehr als 20% gestiegen. Außerdem erforderten eine neue Schulbaurichtlinie und veränderte Schülerzahlenprognosen die Anpassung der ersten Entwürfe.
Modernes Lernhaus im Wald für zwölf Klassen
Die wachsenden Geburtenraten und steigende Flüchtlingszahlen haben die Verwaltung veranlasst, die neue Grundschule nun durchgängig 3-zügig zu planen. Damit wird genügend Platz für zwölf Klassen sein, die sich auf ein intelligentes Raumkonzept im Obergeschoss freuen dürfen: jeder Jahrgang ist dort in einer separaten Raumgruppe untergebracht, in der drei Klassenzimmer, gemeinsame Team- und Differenzierungsräume und Toiletten liegen. Lange, ungenutzte Flure und tröge aneinandergereihte Räume gehören dank dieser sogenannten „Cluster“ der Vergangenheit an.
Neben Foyer, Lehrer-, Verwaltungs- und Mehrzweckräumen ist im Erdgeschoss die OGS untergebracht, dort können bis zu 150 Kinder betreut werden. Auch die dazugehörige Mensa wurde etwas größer dimensioniert und kann nun täglich bis zu 100 Essensausgaben stemmen.
Aus dem Foyer heraus wird der Blick in die großzügige Turnhalle fallen können, die den größten Teil des Untergeschosses einnimmt. Sie ist von außen separat erreichbar, damit die Anlage samt Materialräumen und Umkleiden auch von Vereinen genutzt werden kann.
Ökologischer Neubau
Das ganze Gebäude wird sich harmonisch in die Landschaft einfügen, sowohl baulich als auch dank der grün lasierten Holzverschalung. Überhaupt setzt die Verwaltung stark auf den Baustoff Holz. Das Tragwerk soll in Holz-Beton-Hybridbauweise errichtet werden, denn der Materialmix kostet weniger und verursacht in der Herstellung geringere CO2-Emissionen als die herkömmliche reine Stahlbeton-Bauweise. Auch im Innenbereich wird viel Holz zum Einsatz kommen, in spannender Mischung mit sichtbaren Betonflächen und Rohren.
Mit seinem Beschluss betonte der Gemeinderat nochmals das Anliegen, mit dem Neubau ein ökologisch sinnvolles Energiekonzept zu verfolgen. Einstimmig erfolgte der Auftrag, dass das Gebäude den Energiestandard „Effizienzhaus 40 Nachhaltigkeits-Klasse“ erreichen soll. Das bedeutet, dass der Primärenergiebedarf um 60% niedriger liegt als bei einem Neubau nach dem Gebäudeenergiegesetz. In zwei ebenfalls mehrheitlich gefassten Teilbeschlüssen ergänzte der Rat die Vorplanung: Statt einer Luft-Wasser-Wärmepumpe soll nun eine effizientere Sole-Wärmepumpe (Geothermie) eingebaut werden, und die Unterrichtsräume sind mit mechanischen Lüftungsanlagen auszurüsten.
Auch Sanierungskosten gestiegen
Natürlich hatte die Verwaltung nicht nur die Kosten für den Neubau der Schule aktualisiert, sondern auch ihre Kostenschätzung für eine Sanierung des Bestandsgebäudes überarbeitet. Während im Jahr 2019 noch von Sanierungskosten in Höhe von 5,3 Mio. Euro ausgegangen wurde, ließen die steigenden Preise im Bausektor, die neue Schulbaurichtlinie und ein nachhaltiges Energiekonzept auch hier den Investitionsaufwand wachsen, auf neu geschätzte 14,8 Mio. Euro.
Was die Zahlen aber nicht beleuchten können, sind die begrenzten Platzverhältnisse am alten Standort: Das Grundstück ist schlicht zu klein, um auf ihm alle nötigen baulichen Erfordernisse erfüllen zu können.
Weitere Informationen
Mehr Details und die vollständige Vorentwurfsplanung finden Sie in den Unterlagen zur Ratssitzung am 23.06.2022. Zu den Unterlagen gelangen Sie, indem Sie in unserem Ratsinfosystem den entsprechenden Sitzungstag aufrufen.