Seiteninhalt

06.02.2022

Geschichte geschrieben: 70 Meter hohe A45-Talbrücke Rinsdorf erfolgreich gesprengt

Der Anspannung folgt um kurz nach 11 Uhr die Erleichterung: Sprengmeister Michael Schneider und sein Team haben mit der Sprengung der rund 70 Meter hohen und 485 Meter langen A45-Talbrücke Rinsdorf Geschichte geschrieben. Noch nie wurde eine so hohe Brücke in Deutschland zu Boden gebracht. Nun liegt die Brücke sicher in ihrem vorbereiteten Fallbett. Acht Pfeilerpaare sind wie ein Zollstock zusammengeklappt, der Überbau ist senkrecht zu Boden gestürzt.

Bilderbuchergebnis


Bereits in den frühen Morgenstunden ist das Lampenfieber beim Sprengteam und den Mitarbeitern der Autobahn Westfalen deutlich spürbar. Minutiös wurde dieser Tag geplant – seit mehr als einem halben Jahr laufen die Vorbereitungen. Nichts wird dem Zufall überlassen: Drei Stunden vor dem eigentlichen Sprengtermin beziehen die 59 Absperrposten ihre Positionen, um den Sperrbereich rund um die Talbrücke abzuschotten. Eine Stunde vorher wird die A45 in beiden Fahrtrichtungen voll gesperrt. Alles läuft nach Plan.

Um Punkt 11 heißt es dann „Drei, zwei, eins – Zündung“ – und nur vier Sekunden später stürzt das Bestandsbauwerk in die Tiefe. Das fertige neue Teilbauwerk, über das bereits seit einigen Wochen der Verkehr uneingeschränkt fließt, rückt nun ins Blickfeld. In den folgenden Stunden begutachten die Bauwerksprüfer die neue Brücke und stellen sicher, dass das Bauwerk während der Sprengung keinen Schaden genommen hat.

Verschub erfolgt samt Pfeilern und Fundamenten

„Die gelungene Sprengung ist ein wichtiger Schritt für den Neubau in Rinsdorf. Die lange Vorbereitung auf diesen Tag zeigt, welchen komplexen Aufgaben sich das Team der Autobahn Westfalen an der Sauerlandlinie beim Neubau der Talbrücken stellen muss“, sagt die Direktorin der Autobahn Westfalen, Elfriede Sauerwein-Braksiek im Beisein von Oliver Luksic, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr. Besonders, wenn es sich um einteilige Talbrücken wie der in Rinsdorf handelt. „Eine besondere Herausforderung für den Brückenneubau – schließlich muss der Verkehr weiter rollen“, so Sauerwein-Braksiek. Und genau deshalb wurde das erste Teilbauwerk neben dem Bestandbauwerk errichtet. Allerdings stehen die Pfeiler noch nicht an ihrem endgültigen Platz. Erst wenn die zweite Brückenhälfte fertiggestellt ist, rücken beide Brückenteile zusammen. „Dabei verschieben wir die Talbrücke samt Pfeilern und Fundamenten – erneut eine Premiere in Deutschland. Das für dieses Projekt konzipierte Bauverfahren in dieser Größenordnung hat Pilotcharakter“, ist Sauerwein-Braksiek sicher.

Luksic: „Ich möchte mich bei allen Beteiligten für die professionelle Vorbereitung und Umsetzung bedanken. Das war unter den besonderen Umständen der Pandemie eine außergewöhnliche Herausforderung. Umso mehr freut es mich, dass alles reibungslos geklappt hat. Es war etwas Besonderes, eine solche technisch anspruchsvolle Sprengung zu erleben. Das ist ein wichtiges Signal zur Beschleunigung der Straßenbaumaßnahmen, gerade in Nordrhein-Westfalen gibt es viel zu tun. Schwerpunkt sind für uns Erhalt und Sanierung, hier wird der Bund in diesem Jahr 4,5 Milliarden Euro investieren." Auch der Vorsitzende der Geschäftsführung der Autobahn GmbH, Stephan Krenz, stellt die Brücken an diesem Tag in den Fokus: „Die Autobahn GmbH treibt mit oberster Priorität die Erhaltung, Sanierung und Erneuerung der Autobahnbrücken im gesamten Netz voran. Wir krempeln die Ärmel hoch und packen an. Die Autobahn GmbH hat bereits eine Taskforce eingesetzt. Sie ermöglicht es, die Brücken in ganz Deutschland systematisch zu erneuern.“

Zwei weitere Sprengungen 2022 und 2023

Nach der erfolgreichen Sprengung der Talbrücke Rinsdorf richtet Sauerwein-Braksiek nun den Blick auf die weiteren Großprojekte, die an der A45 anstehen. „Verständlicherweise schauen gerade alle auf die Talbrücke Rahmede, doch auch bei den zahlreichen anderen Brückenbauprojekten bewegt sich einiges“, blickt die Chefin der Autobahn Westfalen nach vorne. In drei Wochen steht beispielsweise die Sprengung der Talbrücke Rälsbach an. Wegen der großen Nähe zur Talbrücke Rinsdorf wurde sie parallel gebaut. So können Bauzeiten und vor allem die Verkehrseinschränkungen verkürzt werden. Im Oktober 2022 und Februar 2023 stehen dann mit den Sprengungen der Talbrücken Eisern und Landeskroner Weiher zwei weitere Großereignisse an.

Quelle: Pressemitteilung der Autobahn GmbH