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16.11.2021

Projekt "WaldAktiv" geht weiter

"Wasser braucht Raum! Und das muss bei zukünftigen Bauvorhaben zwingend berücksichtigt werden", so Prof. Jürgen Jensen von der Universität Siegen kürzlich beim zweiten Online-Workshop des Forschungsprojekts "WaldAktiv". Um die Auswirkungen von Starkregen bei uns in Siegen-Wittgenstein zu reduzieren, sollen im Rahmen des Projekts siedlungsnahe Waldflächen als Schutz für Ortschaften oder Gewerbegebiete genutzt werden.

Das Projekt findet unter der Leitung des Kreises gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (Lehrstuhl für Hydromechanik und Wasserbau) der Universität Siegen statt. Die Ergebnisse sollen am Ende in einem Leitfaden zusammengefasst und damit auch anderen Kreisen zur Verfügung gestellt werden.

Senken und Mulden im Waldboden schaffen

Nachdem im ersten Workshop potenzielle Pilotgebiete vorgestellt und diskutiert wurden, hat die Universität Siegen jetzt erste detaillierte Analysen in den Bereichen Siegen-Fischbacherberg, Kreuztal-Krombach und Freudenberg-Niederndorf durchgeführt. Sebastian Gürke, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni, stellte den aktuellen Stand der Untersuchungen vor: "Die Beschaffenheit des Waldbodens hat großen Einfluss auf die Abflussprozesse wie z.B. Versickerung oder Zwischenspeicherung von Wasser. Betrachtungen im Bereich Freudenberg-Niederndorf haben gezeigt, dass auch die Wasserspeicherkapazität von Waldböden bei seltenen Starkregenereignissen erschöpft wird und sich dort Oberflächenabflüsse ausbilden können. Gleichzeitig sind jedoch zu wenig Senken und Mulden vorhanden. Um einen Rückhalt von Niederschlagswasser in den Waldflächen auch bei diesen seltenen extremen Unwettern zu gewährleisten, müssten an bestimmten Stellen künstliche Senken und Mulden geschaffen werden, um das Wasser dort in Zukunft zwischenspeichern zu können."

Starkregengefahrenkarten nutzen

Neben dem Projekt WaldAktiv, standen auch sogenannte "Starkregengefahrenkarten" im Fokus des Workshops. "Da Starkregen meist lokal auftritt, kann eine Betrachtung solcher Karten hilfreich sein, um sich vorzubereiten", so Gürke. Starkregengefahrenkarten stellen die Fließwege und Überflutungstiefen durch wild abfließendes Wasser nach unwetterartigem Niederschlag auch fernab von Gewässern dar. Im Fachinformationssystem "Klimaanpassung" des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW kann die Starkregenhinweiskarte unter http://www.klimaanpassung-karte.nrw.de/ in der Auswahlleiste links unter dem Punkt "Hochwasserschutz" gefunden werden.

Auch wenn das Projekt bereits 2020 gestartet ist, haben die schwerwiegenden Folgen des Starkregens und Hochwassers in der Eifel in diesem Sommer das Risikobewusstsein noch einmal verstärkt. Denn auch der Kreis Siegen-Wittgenstein ist – bedingt durch die Mittelgebirgstopografie – deutlich anfälliger für Starkregen und daraus resultierende Sturzfluten als beispielsweise Flachlandgebiete im Norden Deutschlands.

Weitere Workshops geplant

Das große Interesse an diesem Thema spiegelte sich auch in der Teilnehmeranzahl des Online-Workshops wider: Circa 50 Vertreter des Kreises und der Kommunen, der Universität Siegen und des Forstamtes waren dabei. Bis Ende 2022 sind weitere Workshops mit Vertretern u.a. der Unteren Naturschutzbehörde, der Unteren Wasserbehörde, der Unteren Bodenschutzbehörde, des Regionalforstamtes sowie mit öffentlichen und privaten Waldbesitzern und der interessierten Öffentlichkeit geplant.

Hintergrund:

„WaldAktiv“ ist ein Baustein des gemeinsamen Klimaschutzkonzeptes des Kreises und der Städte und Gemeinden. Das Projekt ist außerdem Teil des Förderprogrammes „Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.fwu.uni-siegen.de/wb/waldaktiv.

Quelle: Pressemitteilung des Kreises Siegen-Wittgenstein