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08.07.2020

Digitaler Beitrag zum Bevölkerungsschutz

Die Gemeinde Wilnsdorf hat ihr Sirenensystem modernisiert, um künftig die Menschen in allen elf Ortsteilen bei Katastrophen- oder Großschadensereignissen warnen zu können. "Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Sicherheit der Bevölkerung", wertet Wilnsdorfs Bürgermeisterin Christa Schuppler.

Graue Pilze übernehmen Bevölkerungswarnung

Damit haben Verwaltung und Feuerwehr auf Erfahrungen aus den vergangenen landesweiten Warntagen reagiert, bei denen der Einsatz mobiler Warnanlagen getestet wurde. Diese konnten aber nur unzureichend Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erzielen. Gut, dass auf vielen Dächern noch die alten, pilzförmigen Sirenen installiert waren – sie übernehmen künftig wieder die Bevölkerungswarnung.

Die Sirenen der Bauart E-57 stammen noch aus den Zeiten der deutschen Teilung und des kalten Krieges. Damals waren sie bundesweit aufgestellt worden, um die Bevölkerung bei Bedrohungen aus dem Ostblock alarmieren zu können. Als sie in den 1990er Jahren ihre Aufgabe verloren hatten, gab der Bund sie kostenlos an die Städte und Gemeinden ab. Vierzehn dieser grauen Pilze waren in der Gemeinde Wilnsdorf zu finden. "Wo es baulich und technisch möglich war, haben wir die Sirenen nun so nachgerüstet, dass sie zentral von der Kreisleitstelle ausgelöst werden können", erklärt Bürgermeisterin Schuppler. Dazu wurden die mechanisch funktionierenden Sirenen mit einer zusätzlichen Stromversorgung und einem digitalen Funkempfänger nachgerüstet.

Sirenen überprüft und aufgerüstet

Zuvor ließ die Gemeinde Wilnsdorf alle Standorte von einem Fachunternehmen begutachten. Drei Fragen galt es dabei zu klären, berichtet Frank Neuser vom Ordnungsamt der Gemeinde Wilnsdorf: "Ist der Standort generell noch geeignet, um den Ortsteil flächendeckend zu beschallen? Sind die baulichen Gegebenheiten noch in Ordnung, ist das Dach stabil und begehbar? Und kann der Standort technisch nachgerüstet werden, damit die Sirene digital ansteuerbar wird?"

An zehn Standorten konnten alle Fragen mit Ja beantwortet werden: in Anzhausen (Antoniusstraße 7), Flammersbach (Flammersbacher Straße 19), Gernsdorf (Gernsdorfer Straße 18), Niederdielfen (Am Buchen 4), Oberdielfen (Oranienstraße 6), Rudersdorf (Huvenweg 11), Wilden (Köhlerweg 27 und Freier Grunder Straße 62), Wilgersdorf (Hauptstraße 14) und Wilnsdorf (Vorm Brand 30). Eine moderne Trichter-Sirene wird auf dem Dach des Rathauses installiert werden und damit einen nicht mehr geeigneten Standort im Wilnsdorfer Ortszentrum ablösen. Insgesamt hat die Gemeinde Wilnsdorf bis jetzt rund 24.000 Euro in die Digitalisierung des Sirenensystems investiert. Neue Lösungen müssen noch gefunden werden in Obersdorf und Rinsdorf, eine weitere Anlage wird voraussichtlich in Niederdielfen nötig werden. "Wir werden Schalluntersuchungen durchführen lassen, um geeignete Standorte identifizieren zu können", kündigt Neuser an. Bis dahin werden in diesen Bereichen und Ortsteilen die drei mobilen Warnanlagen genutzt.

Warnung ausschließlich bei Großeinsatzlagen

Vom gemeindeweiten Warnsystem werden die Bürgerinnen und Bürger aber zunächst nichts bemerken. Denn wie Bürgermeisterin Schuppler betont, sollen die Sirenen nicht bei "normalen" Feuerwehreinsätzen ausgelöst werden, sondern nur bei Großeinsatzlagen wie Großbränden, Industrieunfällen, Unwetter oder anderen Katastrophenfällen. "Würden die Sirenen zu oft heulen, könnte sich ihr Weckeffekt in der Bevölkerung abnutzen", stimmt ihr auch Christian Rogalski zu, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wilnsdorf. "Unsere Kameraden sind die persönliche Alarmierung über Funkempfänger gewöhnt, daran werden wir nichts ändern".

Wichtig ist beiden darauf hinzuweisen, dass die Sirenentöne nur die erste Aufmerksamkeit der Menschen wecken sollen. "Sie dienen der Erstwarnung und sollen vermitteln: 'Es ist etwas passiert, ich muss das Radio einschalten, auf den Informationskanälen der Kreisleitstelle oder in der Gefahren-App Nina nach weiteren Informationen suchen'", erklären Schuppler und Rogalski. Dazu werden auch ganz spezielle Warntöne ausgesandt: ein 1-minütiger auf- und abschwellender Heulton dient der Warnung; die Entwarnung erfolgt durch einen 1-minütigen, durchgängigen Dauerton. Die Tonfolgen sind übrigens unter www.wilnsdorf.de/bevölkerungsschutz dargestellt. Die Funktionstüchtigkeit der Sirenen wird künftig gemäß dem nordrhein-westfälischen Warnerlass halbjährlich an den landesweiten Warntagen getestet.