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17.04.2018

Busverkehr steht auf dem Spiel

In der Nacht zum vergangenen Samstag beschädigten Unbekannte die kürzlich installierten Schranken, die einen Wirtschaftsweg zwischen Rudersdorf und Gernsdorf für die ausschließliche Nutzung durch Linienbusse sichern sollten.

Die Behelfsstrecke war für den ÖPNV freigegeben worden, damit der auch während der baustellenbedingten Vollsperrung in Gernsdorf funktioniert und jene Menschen mobil bleiben können, die kein Auto besitzen. Doch diese Lösung steht jetzt auf der Kippe.

Mutwillig beschädigte Schranken gefährden Lösung für ÖPNV

In der Wilnsdorfer Verwaltung ist man bestürzt angesichts des rücksichtslosen Vandalismus. „Wir haben Planungszeit und finanzielle Mittel investiert, damit der Busverkehr zumindest eingeschränkt fließen kann, auf den vor allem Schüler und ältere Menschen, aber auch Berufstätige angewiesen sind“, erinnert Bürgermeisterin Christa Schuppler an den eindrücklichen Wunsch aus der Gernsdorfer Bevölkerung. „Durch die beschädigten Schranken wird nun in Frage gestellt, ob die Verkehrssicherheit auf dieser Strecke tatsächlich noch gewährleistet werden kann. Gezwungenermaßen müssen wir nun sogar die Einstellung der Busverbindung in Erwägung ziehen, weil die Sicherheit absolute Priorität hat“.

Offenbar wurden die Schranken mutwillig zur Seite gebogen und damit schwer beschädigt, um 10 km Umleitung zu vermeiden. Die Barrieren sollten dafür sorgen, dass sich keine Fahrzeuge auf dem schmalen Wirtschaftsweg begegnen, denn dafür reicht die Straßenbreite nicht aus. Auf das unbefestigte Feld ausweichen zu müssen, stellt jedenfalls keine verkehrssichere Lösung dar. „Wollen wir eine Strecke offiziell für den Verkehr freigeben, müssen wir für Sicherheit und Nutzbarkeit sorgen, und das ist in diesem Fall nicht möglich“, sagt Schuppler. Die Zerstörung der Schranken wurde von der Verwaltung zur Anzeige gebracht.

Verständnis für Unmut - aber vermeintliche Alternativen nicht realisierbar

Die Bürgermeisterin versteht, dass die Gernsdorfer nicht glücklich sind mit den Umwegen, die sie wegen der Sanierung ihrer Ortsdurchfahrt auf sich nehmen müssen. Aber vermeintliche Alternativen sind bei näherer Betrachtung nicht umsetzbar, klärt Schuppler Punkt für Punkt auf.

Die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt sei nötig, weil die Sicherheit der Arbeiter auf der Baustelle andernfalls nicht gewährleistet werden könne. „Und das hat nichts mit mangelndem Verhandlungsgeschick zu tun, wie es an einigen Stellen unsachlich geäußert wurde“, betont Schuppler, „die Sicherheit am Arbeitsplatz ist zum Glück nicht verhandelbar, sondern gesetzlich geregelt“.

Ebenso wenig zu realisieren ist die Umleitung des gesamten Verkehrs durch die Nebenstraßen von Gernsdorf und Rudersdorf. „Schon jetzt beklagen die Anwohner den zusätzlichen Verkehr, den 60 Busse am Tag auslösen“, weiß Schuppler um die Beschwerden. Würde man sämtliche Autos, Motorräder und LKW die kleinen Straßen entlang schicken, wäre die Lärm- und Abgasbelastung für die Anwohner noch gravierender, „ganz zu schweigen vom steigenden Gefahrenpotential, denn erfahrungsgemäß halten sich nicht alle Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen in den Nebenstraßen“.

Projektpartner halten am Zeitplan fest: Bauarbeiten sollen bis Ende 2018 abgeschlossen sein

Von wenig Sachkenntnis würden auch Vergleiche zu anderen Baustellen zeugen, was die zeitliche Länge der Bauarbeiten anbelangt. „Die Ortsdurchfahrt Gernsdorf wird nicht einfach nur in ihren Ursprungszustand versetzt, sondern wir verändern die Straße grundlegend, um die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern und Anliegern zu bessern“, erinnert Schuppler an die umfangreiche Planung, die der Öffentlichkeit vor Baubeginn präsentiert wurde.

U.a. wird die Fahrbahn auf eine Breite von ca. 6,50 m verringert, das schafft Platz für neue Gehwege an beiden Seiten. Verkehrsberuhigende Elemente wie Fahrbahnteiler und Mittelinseln sowie ein Kreisverkehr sollen die vielbefahrene Landesstraße sicherer machen. Im Zuge der Bauarbeiten werden auch Kanal- und Wasserleitungen erneuert und die Straßenbeleuchtung modernisiert.

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass alle Arbeiten bis Ende 2018 abgeschlossen sind“, räumt Schuppler zum Schluss mit Gerüchten auf, schon jetzt würde mit einer Bauzeitverlängerung gerechnet. Alle drei Projektpartner in Sachen Ertüchtigung der Ortsdurchfahrt Gernsdorf – der Landesbetrieb Straßenbau NRW, die Gemeinde Wilnsdorf und die Gemeindewerke Wilnsdorf – unternehmen größte Anstrengungen, die Bauarbeiten fristgerecht durchzuführen, schon allein damit sich die Einschränkungen der Gernsdorfer nicht unnötig in die Länge ziehen.

Bitte um Objektivität

Bei allem Verständnis für den Ärger der Betroffenen bittet die Bürgermeisterin um Sachlichkeit: „Die Ertüchtigung der Ortsdurchfahrt wurde jahrelang und zu Recht gefordert, die Verwaltung hat frühzeitig darauf hingewiesen, mit welchen negativen Begleitumständen eine so umfangreiche Baumaßnahme einhergehen wird“. Insbesondere, weil Gernsdorf eben nur an diese Verkehrsader angebunden ist. „Die Straße nicht zu erneuern, konnte keine Alternative sein, und das sehen die meisten Gernsdorferinnen und Gernsdorfer sicherlich genauso“, so Schuppler.

Was die Bürgermeisterin tatsächlich bedauert, sind die Anfeindungen der Behelfsstrecke für den Busverkehr. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass das Bemühen, eine Lösung für jene Menschen zu finden, die auf den ÖPNV angewiesen sind und die andernfalls komplett abgeschnitten gewesen wären, so negativ beantwortet wird“, gibt Schuppler zu. Es sei eine Art Neiddebatte entstanden, die jegliche Solidarität und Objektivität vermissen lasse. Die Zerstörung der Schranken setze dem Ganzen jetzt die Krone auf. „Wir hätten diese Strecke nicht freigeben müssen, denn wir sind nicht verpflichtet, Busse fahren zu lassen“, macht Schuppler deutlich.

Den Vandalen solle eins klar sein: „Mit solchen Maßnahmen werden sie keinesfalls erreichen, dass dieser oder andere Wirtschaftswege für den normalen Fahrzeugverkehr freigegeben werden“, betont Schuppler. Vielmehr werde sie bei der Polizei darauf drängen, die gesamte Verkehrssituation, die mit der Vollsperrung einhergeht, verstärkt zu kontrollieren und Verkehrsverstöße entsprechend zu ahnden.