Siegen-Wittgenstein bringt Abwärme-Netzwerk auf den Weg
Wenn in den Öfen der heimischen Stahl- und Metallbetriebe das Feuer brennt, entsteht weit mehr als nur das fertige Produkt: enorme Mengen an Wärme, die bislang ungenutzt in die Luft entweichen – während nebenan Wohngebiete und Betriebe Energie zum Heizen brauchen. Auf Einladung des Kreises haben sich Vertreterinnen und Vertreter von großen heimischen Unternehmen und Kommunen im Netphener Ratssaal getroffen und das Abwärme-Netzwerk Siegen-Wittgenstein gegründet.
Wilnsdorfer Unternehmen unter den Gründungsmitgliedern
Ziel des neuen Netzwerks ist es, Potenziale der Abwärmenutzung in der Region zu erkennen und systematisch auszuschöpfen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören: ALSTOM Transport Germany GmbH, BGH Edelstahl Siegen GmbH, Coatinc Siegen / The Coatinc Company, Debus Glühen – Wärmebehandlung – Sandstrahlen GmbH, Franz Hillebrand GmbH & Co. KG, Gontermann-Peipers GmbH, Irle Rolls GmbH, KÖNIG + CO. GmbH und SSI Schäfer GmbH & Co. KG.
„Abwärme ist Energie, die längst da ist“, erklärt Landrat Andreas Müller, „wir müssen sie nur klug nutzen, statt sie ungenutzt verpuffen zu lassen. Für viele Unternehmen im Kreis könnte sich das lohnen: Diejenigen, die Wärme abgeben werden nachhaltiger und profitieren von zusätzlichen Erträgen. Diejenigen, die Wärme beziehen möchten, werden unabhängiger von steigenden Energiekosten und Stromimporten. Als Kreisverwaltung sehen wir es als unsere Aufgabe, unsere Wirtschaft bei diesem Schritt nicht allein zu lassen, sondern die richtigen Partner zusammenzubringen und den Weg zu einer klimafreundlichen und zukunftsfesten regionalen Wirtschaft aktiv zu unterstützen.“
Abwärme-Netzwerk bringt Akteure zusammen
Als Abwärme wird die Energie bezeichnet, die bei industriellen Prozessen zusätzlich zum eigentlich gewünschten Produkt entsteht – etwa als heiße Abluft, warmes Abwasser oder Wärme aus Verbrennungs- und Kühlprozessen. Da sie ohnehin anfällt, gilt sie als besonders kostengünstige und klimafreundliche Energiequelle. Wird sie nicht weiterverwendet, entweicht sie meist ungenutzt in die Umgebung, etwa über den Schornstein.
Abwärme kann einen wertvollen Beitrag zum regionalen Energiemix leisten. Siegen-Wittgenstein beheimatet viele Betriebe der Schwerindustrie und Stahlverarbeitung, bei deren Arbeitsprozessen viel Abwärme entsteht. Aktuell wird diese kostenlose Energie in vielen Betrieben jedoch ungenutzt abgegeben.
Zahlreiche größere Unternehmen in Siegen-Wittgenstein produzieren im Rahmen ihrer Prozesse immense Mengen an Abwärme. Häufig fehlt es jedoch an Antworten auf zentrale Fragen: Wem und wohin könnte die Wärme geliefert werden? Wie lässt sich eine Abwärmenutzung strategisch und praktisch umsetzen? Und wie werden die tatsächlich verfügbaren Mengen überhaupt erfasst?
Genau hier setzt das neue Abwärme-Netzwerk an. Der Kreis Siegen-Wittgenstein versteht sich dabei als Vermittler und Vernetzer des Prozesses und bringt Unternehmen, Kommunen und weitere Akteurinnen und Akteure zusammen. Fachlich begleitet wird die Arbeit des Netzwerks vom AwaNetz (Alles Wissenswerte zu Abwärme und Abwärmenutzung) bestehend aus Bundeswirtschaftsministerium und den Firmen empact, IZES und EDL_HUB.
Erfolgreiches Beispiel
Wie eine solche Kooperation gelingen kann, zeigt das Beispiel der Stadtwerke Weißwasser in Sachsen: Gemeinsam mit dem Glashersteller Stölzle Lausitz wird dort Abwärme aus Glasöfen mit Temperaturen von bis zu 1.500 Grad Celsius über Wärmetauscher in das städtische Fernwärmenetz eingespeist. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) könnten so künftig bis zu 30 Prozent des städtischen Wärmebedarfs gedeckt und mehr als 7.000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie aus einem Energieverbraucher ein Wärmelieferant für eine ganze Stadt werden kann – ein Modell, das auch für die Zusammenarbeit von Unternehmen und Kommunen in Siegen-Wittgenstein Orientierung bieten kann.
Alle zwei Monate kommen die Teilnehmer künftig zu Netzwerktreffen zusammen, die jeweils von thematisch wechselnden Workshops begleitet werden – von Wirtschaftlichkeit, über rechtliche Rahmenbedingungen bis zu konkreten technischen Lösungen. Parallel dazu nimmt das Beratungsunternehmen empact Kontakt zu den teilnehmenden Unternehmen auf, um die notwendigen Daten für eine kostenfreie Erstanalyse zu erheben. Ziel ist es, bis Frühjahr 2027 erste konkrete Empfehlungen für die teilnehmenden Unternehmen vorzulegen.
Weitere Teilnehmer willkommen
Interessierte Unternehmen, die sich zum Thema Abwärme-Netzwerk informieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich für ein unverbindliches Erstgespräch bei Norman Noske (E-Mail n.noske@siegen-wittgenstein.de / Tel. 0271 333-1165) zu melden.