Gemeinde baut Notunterkünfte schrittweise ab
Die Gemeinde Wilnsdorf will Schritt für Schritt ihre provisorischen Notunterkünfte für Geflüchtete auflösen. Möglich machen das die deutlich gesunkenen Zuweisungszahlen seit Herbst 2024: Wurden der Gemeinde im Jahr 2023 noch 205 geflüchtete Menschen zugewiesen, waren es 2024 nur noch 107. Im aktuellen Jahr musste Wilnsdorf bis jetzt 71 Menschen aufnehmen.
„Jetzt können wir die krisenbedingten Notmaßnahmen wieder zurückfahren und zu einer strukturierten, vorausschauenden Bestandssteuerung zurückkehren“, sagte Bürgermeister Hannes Gieseler in der jüngsten Ratssitzung. „Das ist nicht nur wirtschaftlich vernünftig, sondern auch der richtige Schritt, damit die Menschen in unseren Orten ihre Dorfgemeinschaftshäuser und Bürgerhäuser wieder ganz regulär nutzen können.“
Dank der entspannteren Unterbringungssituation kann die Gemeinde Wilnsdorf im ersten Schritt den Wohncontainer in Wilgersdorf zurückbauen. Aktuell leben dort 25 Geflüchtete, die im Dezember in reguläre Unterkünfte in Obersdorf (Silberquelle) und Niederdielfen (In der Ziegelei) umziehen werden. Die eigentliche Demontage des Containers und sein Abtransport sind für Mitte Januar 2026 vorgesehen. Gieseler betonte: „Wir haben immer gesagt, dass die Container nur als vorübergehende Lösung gedacht sind, um nicht noch mehr Turnhallen oder Bürgerhäuser in Beschlag nehmen zu müssen“. Jetzt erfülle die Verwaltung ihr gegebenes Versprechen, die Container so schnell wie möglich wieder abzubauen.
Zwei Weichenstellungen in Rinsdorf
Auch die Notunterkunft im Bürgerhaus Rinsdorf soll schnellstmöglich aufgelöst werden. Aktuell leben dort neun Menschen in behelfsmäßig abgetrennten Wohneinheiten, die kaum Privatsphäre bieten. Um den Rinsdorfern ihre zentrale Versammlungsstätte wiedergeben zu können und gleichzeitig eine Unterkunft für die geflüchteten Menschen bereitzustellen, will die Verwaltung das neue Förderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ anzapfen.
Im ersten Schritt soll mit den Fördermitteln das Bürgerhaus zu einer multifunktionalen Sport- und Veranstaltungshalle ausgebaut werden. Im zweiten Schritt kann dann die freiwerdende, auch dringend sanierungsbedürftige Turnhalle zur Unterkunft für geflüchtete Menschen umgebaut werden – mit Perspektive auf eine spätere Nutzung zum Beispiel für seniorengerechtes Wohnen.
„Wir wollen Lösungen, die heute helfen und morgen sinnvoll weitergenutzt werden können“, so Gieseler. „Nachhaltige Gebäude, die später als normale Wohnungen nutzbar sind, schaffen echten Mehrwert für unsere Ortsteile.“ Für dieses Vorgehen stimmte der Rat mit großer Mehrheit, und beauftragte die Verwaltung mit der Ausarbeitung der nötigen Unterlagen für den Fördermittelantrag.
Nächste Schritte: Rudersdorf und Wilden im Blick
Weitere Notunterkünfte bestehen aktuell im Container Rudersdorf (28 Bewohnerinnen und Bewohner) sowie im Dorfgemeinschaftshaus Wilden, das derzeit nur als Reserve dient. Für 2026 wird die Verwaltung dem Rat konkrete Vorschläge vorlegen, wie bestehende Unterkünfte saniert oder neu gebaut werden können, um auch diese Standorte zu schließen beziehungsweise die Rückgabe an die Dorfgemeinschaften zu ermöglichen. Gieseler unterstrich: „Unser Ziel bleibt eine dezentrale und gleichmäßige Unterbringung in allen Ortsteilen“.
„Diskussionen in Zukunft anders führen“
Abschließend blickte Wilnsdorfs Bürgermeister auf die belastende Debatte rund um den Ratsbeschluss zur Anmietung der Container zurück: „Ratsmitglieder wurden beschimpft und teilweise sogar bedroht, auch weil ganz bewusst viele falsche Bilder gezeichnet wurden, von ‚marodierenden Banden‘ oder einer Gefährdung ganzer Ortsteile“, ärgerte sich der Bürgermeister, „dabei gab es in den vergangenen zwei Jahren keinerlei Probleme mit den Bewohnerinnen und Bewohner der Container“, betonte Gieseler. Stattdessen hätten die dumpfen, rechtspopulistischen Äußerungen viel Porzellan zerschlagen, „völlig ohne Anlass“. Und sie bestellten das Feld für rechtsextreme Schmierereien an den Unterkünften. „Wir sollten uns gemeinsam überlegen, wie wir solche Diskussionen künftig sachlich und respektvoll führen“.